Keyword-Kannibalismus

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht... Das gilt besonders im Bereich der Suchmaschinenoptimierung (SEO). Nichts ahnend kann es dir passieren, dass du oder deine Kolleg:innen zwei oder sogar mehrere Seiten deiner Unternehmenswebseite für dasselbe Keyword optimierst. Und damit fängt das Chaos für Suchmaschinen und potenzielle Kund:innen an. Doch keine Sorge, du erfährst im Folgenden nicht nur, wie du Keyword-Kannibalismus auf deinen Seiten erkennen kannst, sondern auch wie du ihn von Anfang an verhinderst. 

Was ist Keyword-Kannibalismus?

Der Begriff "Kannibalismus" bedeutet hier, dass zwei oder mehr Unterseiten deiner Firmenwebseite auf ein und dasselbe Keyword optimiert sind. Folglich besteht eine große Konkurrenz zwischen den Seiten. Dies wiederum hat Auswirkungen auf den Seiten-Traffic: Welche Seite hat denn nun die passenderen Inhalte? Und viel wichtiger: Welche Seite wird deinen User:innen angezeigt, wenn sie nach einem bestimmten Begriff oder einer Fragestellung googlen? Denn in der Regel zeigt Google nur einen Treffer von deiner Unternehmensseite an. Das klingt dir noch zu theoretisch? Kein Problem - anhand des folgenden fiktiven Beispiels sollte die Problematik klar werden: 

Dein Unternehmen vertreibt nachhaltige Werbeartikel. Bei deiner Keyword-Recherche stellst du fest, dass Inflation und Ukraine-Krise deine potenziellen Kund:innen stark beschäftigten und sie gezielt nach preisgünstigen, aber dennoch nachhaltigen Werbeartikeln suchen. Daher schreibst du einen Blogbeitrag zum Thema “Faire Preise für nachhaltige Werbeartikel”. Einige Monate später beschäftigt sich ein:e Kolleg:in erneut mit dem Thema. Er oder sie bloggt über “Warum nachhaltige Werbeartikel ihren Preis wert sind”. Beide Seiten zielen auf die Keywords “Preis” und “nachhaltige Werbeartikel” ab und stehlen sich damit gegenseitig die Show.

Was zählt nicht unter Keyword-Kannibalismus?

Angenommen deine Produktseite und eine Seite aus dem Blog ranken auf den ersten Plätzen für dasselbe Keyword. Dann könntest du auf den ersten Blick denken, dass es sich hierbei auch um Keyword-Kannibalismus handelt. Das ist es jedoch definitiv nicht, da beide Seiten eine unterschiedliche Such-Absicht (englisch “search intent”) bedienen. In der Google-Suche gibt es die navigationale, die informationale und die transkationale Suchanfrage. Bei der ersten geht es darum, schnell zu einer Website zu gelangen, indem eine Person zum Beispiel einfach den Namen eines Unternehmens oder Produkts in die Suchzeile eintippt. Informationale Suchabsichten führen User:innen oft auf deine Blogseiten oder umfangreichere Produktseiten. Und wenn eine Person bereits kaufwillig ist, wird sie das Hauptkeyword vermutlich um das Verb “kaufen” oder ähnliche Signale erweitern, z. B. “nachhaltige Werbeartikel kaufen”. Im Beispiel kann es also durchaus vorkommen, dass sich ein:e User:in im Laufe ihrer Customer Journey erst einmal ausführlich auf eurem Blog über das Thema informiert und dann zu einem späteren Zeitpunkt über die Google-Treffer auf eurem Online-Shop landet. Wie du diesen Marketing Funnel am besten für deine potenziellen Kund:innen gestalten kannst, erfährst du in unserem Blogbeitrag zum Thema “Wie aus Leads Kunden werden”.

Warum ist Keyword-Kannibalismus so schädlich?

Keyword-Kannibalismus wirkt sich negativ auf deine SEO-Performance aus, denn 

  • du kannst nicht kontrollieren, welche Seite in den Suchergebnissen erscheint. Dabei kann es vorkommen, dass eine Seite gelistet wird, die weniger relevant für ein bestimmtes Keyword/Produkt ist oder schlechtere Conversions aufweist. 

  • deine Domain-Autorität leidet. Die Domain-Autorität sagt etwas darüber aus, wie wichtig deine Seiten/Inhalte für ein bestimmtes Thema sind und wie wahrscheinlich es ist, dass diese gut ranken. Verschlechtert sich also deine Domain-Autorität kann dies zu einer schlechteren Positionierung in den Suchergebnissen führen und deine Kund:innen wandern zur Konkurrenz ab.

Woran erkennst du Keyword-Kannibalismus?

Zum Glück gibt es einige Warnzeichen, aus denen du auf Keyword-Kannibalismus bzw. Optimierungsbedarf deiner Seiten schließen kannst:

  • Es gibt sehr große Schwankungen innerhalb der Suchtreffer für ein Keyword.

  • Egal wie umfangreich und hochwertig deine Inhalte oder Backlinks sind, das Ranking für ein bestimmtes Keyword verbessert sich partout nicht. 

  • Bei den Suchtreffern erscheinen verschiedene URLs deiner Website, da es keine klaren Entscheidungsgrundlagen für Google/Bing etc. gibt.

  • Tool-Tipp: Den Keylogs Keyword Cannibalization Checker gibt es in einer kostenfreien Testversion. Hierfür musst du zunächst das von dir verwendete Google-Konto mit dem Tool verbinden. Der Dienst zeigt dir dann alle deine Websites auf, die um dasselbe Keyword ranken. Die kostenlose Variante ist jedoch auf maximal drei Keywords pro Seite beschränkt. 

Was kannst du gegen bestehenden Keyword-Kannibalismus tun?

Ist das Kind in den Brunnen gefallen, wird es Zeit für konkrete Gegenmaßnahmen.

  1.  Zunächst solltest du deine bestehenden Seiten überprüfen: Gibt es enge inhaltliche Überschneidungen und sind sogar dieselben Keywords betroffen? Wenn du diese Seite(n) identifiziert hast, solltest du die Inhalte auf einer Seite zusammenführen. Für die nicht mehr benötigten Seiten richtest du eine 301-er Weiterleitung (auch Redirect genannt) ein. Damit signalisierst du den Suchmaschinen, dass die alte URL dauerhaft verschoben und somit nicht mehr verfügbar ist. Eine Übersicht über die unterschiedlichen Weiterleitungsarten findest du hier. Achte dabei darauf, dass du im Anschluss auch deine interne Linkstruktur anpasst, um so die Seite zu stärken

  2. Oft gibt es Seiten, die zum Beispiel für mobile oder Desktop über verschiedene URLs laufen. Wenn du Google nicht mitteilst, welches die sogenannte kanonische Seite ist, entscheidet Google selbst und der Crawler untersucht hauptsächlich diese regelmäßig auf Neuerungen. Enthält die Desktop-Variante einer Produktseite beispielsweise mehr Informationen und zusätzliche Features, wäre es schlecht, wenn Google die schlankere mobile Seite als tonangebend sieht. Mit dem sogenannten Canonical Tag kannst du das verhindern. Mit dessen Hilfe verweist du Google auf die Hauptseite und vermeidest, dass der Inhalt aller anderen Seiten als doppelt (Duplicate Content) abgestraft werden. Wie das konkret funktioniert, findest du im Hilfebereich von Google

  3. Im Fall des Falles, dass trotzdem beide Seiten weiterhin abrufbar sein sollen, kannst du eine Website durch das Tag “NoIndex” von der Indexierung durch Suchmaschinen ausschließen. Sie erscheint dadurch nicht mehr in den Suchergebnissen. Besser ist es jedoch, direkt das Canonical Tag zu verwenden, denn hier bleiben die positiven Ranking-Signale der ihr zugeordneten Websites erhalten. Das ist beim Ausschluss über “NoIndex” nicht der Fall. 

  4. Erweitere deine Keywords: Besonders bei älteren Inhalten lohnt es sich, regelmäßig die Keyword-Struktur zu überprüfen. Passe deine Texte um sogenannte Longtail-Keywords an. Wie du dabei am besten vorgehst, findest du in unserer Schritt für Schritt Anleitung zur Keywordrecherche im B2B

So bekämpfst du bestehenden Keyword-Kannibalismus

Wie kannst du Keyword-Kannibalismus vermeiden?

Beim Thema Keyword-Kannibalismus gilt: Vorsorge ist die beste Medizin. Daher solltest du unbedingt folgende Tipps beachten.

  • Halte deine Keyword-Strategie aktuell und prüfe regelmäßig, ob bzw. um welche thematisch passenden Keywords sie angepasst werden muss. Am besten integrierst du diesen Teil in deine regelmäßig stattfindenden Content-Audits. Mit deren Hilfe kannst du deine Unterseiten nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ auf Herz und Nieren prüfen und du deckst dadurch sowohl technisches als auch inhaltliches Optimierungspotenzial auf.  

  • Was du dabei auf jeden Fall beachten musst, erfährst du in unserem Blogbeitrag zum Thema B2B-SEO-Strategie. Um jederzeit den Überblick zu behalten, kannst du mit einer sogenannten Keywordmap arbeiten. Du legst also eine Tabelle an, in der du jeder Unterseite ein Hauptkeyword und eventuelle Nebenkeywords zuordnest. So kannst du schnell überprüfen, ob ein Hauptkeyword für zwei statt für nur eine URL rankt und die Seiten zusammenführen oder den Fokus der Seiten verändern. 

  • Tipp: Besonders bei umfangreichen Websites hat sich die Arbeit mit sogenannten Operatoren bewährt. Gib dafür in der Browserzeile zum Beispiel folgenden Befehl ein: “site: contentpepper.com automation”. Das bedeutet, dass auf contentpepper.com alle Seiten nach dem Keyword “Automation” durchsucht werden. Als zweiter Treffer erscheint direkt der dazu passende Blogbeitrag. 

Praxisbeispiel Google Operator zur Vermeidung von Keyword-Kannibalismus nutzen

Fazit

Keyword-Kannibalismus ist zum Glück weit weniger bedrohlich, als es sich auf den ersten Blick anhört. Gerade bei umfangreichen Websites kannst du mit regelmäßigen Content-Audits und einer aktuellen Keyword-Strategie den Überblick behalten und Keyword-Kannibalismus dadurch von Anfang an vermeiden. Und wenn es doch einmal so weit kommt, weißt du jetzt, welche Möglichkeiten du schnell und effektiv einsetzen kannst.